„Investoren fragen nach Kennzahlen, die wir nicht erheben“
Lemur Media · Autor: Dominik Dębski · aktualisiert am 28.10.2026
Die Kennzahlenlücke zeigt sich in Finanzierungsgesprächen, wenn Investoren Daten zu Kohorten, Unit Economics und Retention erwarten, das Unternehmen aber Umsatz und Bilanzergebnis berichtet. Diese Daten in wenigen Wochen zu rekonstruieren, führt zu inkonsistenten Zahlen und schwächt die Verhandlungsposition. Die Lösung ist ein Set von Investorenkennzahlen mit Definitionen, Quellen und rückwirkend berechneter Historie.
Woran erkennt man das Problem?
- Die Beantwortung des Fragenkatalogs eines Investors kostet das Finanzteam mehrere Wochen Arbeit in Tabellen.
- Dieselbe Kennzahl hat in der Präsentation, im Finanzmodell und in den Daten im Datenraum unterschiedliche Werte.
- Das Unternehmen kann weder die Umsatz-Retention nach Kohorten noch die Akquisitionskosten nach Kanälen zeigen.
- Fragen nach der Definition von wiederkehrendem Umsatz oder aktivem Kunden lösen mitten im Termin eine interne Diskussion aus.
Was sind die Ursachen?
- 01Reporting für die BuchhaltungDas Berichtssystem wurde für Abschlüsse und Steuern aufgebaut und erfasst daher keine Ereignisse auf Kundenebene.
- 02Keine gemeinsamen DefinitionenVertrieb, Finanzen und Produkt zählen Kunden, Umsatz und Abwanderung nach eigenen Regeln.
- 03Daten ohne HistorieÄnderungen an Systemen und Preislisten wurden in den Daten nicht abgebildet, daher lassen sich Trends von vor einigen Jahren nicht rekonstruieren.
| Mitarbeitende | Typisches Bild |
|---|---|
| 1–49 Mitarbeitende | Die Kennzahlen berechnet der Gründer oder die Person aus dem Finanzbereich in einer Tabelle, die außer ihnen niemand kennt. |
| 50–249 Mitarbeitende | Die Daten liegen in mehreren Systemen, und jede Aufstellung für Investoren erfordert manuelles Zusammenführen und Abstimmen. |
Welche Fragen sollte die Geschäftsführung stellen?
- Welche fünf Kennzahlen sehen Investoren auf der ersten Seite der Unterlagen, und werden sie monatlich berechnet?
- Lassen sich wiederkehrender Umsatz und Retention für jeden der letzten 24 Monate rekonstruieren?
- Wer gibt die Definition einer Kennzahl frei, bevor sie in externe Unterlagen gelangt?
Welche Kennzahlen sollten Sie prüfen?
- Jährlich wiederkehrender Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) oder Nettotransaktionsumsatz auf Monatsbasis
- Umsatz-Retention in Monats- oder Quartalskohorten
- Verhältnis von Kundenwert zu Akquisitionskosten (LTV/CAC) und CAC-Amortisationsdauer
Welche Fehler sollten Sie vermeiden?
- Neuberechnung der Kennzahlen vor jeder Finanzierungsrunde ohne dauerhafte Datenquelle.
- Wahl der Kennzahlendefinition danach, welche das günstigere Ergebnis liefert.
Wie läuft die Lösung ab?
Methoden: Unit Economics + Datenwertschöpfungskette. Die Reihenfolge der Maßnahmen bestimmt der Lemur-Kompass auf Basis von Entwicklungsphase, Größe, Geschäftsmodell und Profitabilität des Unternehmens.
- 01Liste der InvestorenkennzahlenEin Set von 8–12 Kennzahlen, passend zu Geschäftsmodell und Phase, abgestimmt mit der Geschäftsführung.
- 02DefinitionsglossarJede Kennzahl hat eine Definition, eine Datenquelle, eine Frequenz und einen Verantwortlichen.
- 03Rekonstruktion der HistorieWerte der letzten 24–36 Monate mit Beschreibung von Korrekturen und Datengrenzen.
- 04MonatsberichtInvestorenkennzahlen werden der Geschäftsführung monatlich berichtet, in derselben Form wie den Investoren.
Womit sollten Sie beginnen?
Review der Kennzahlenbereitschaft für Investorengespräche (2 Wochen) mit Definitionsglossar und einer Liste der Datenlücken.
